Ursachen und Symptome von Handbeschwerden
Handbeschwerden sind weit verbreitet und betreffen Menschen aller Altersgruppen. Sie können durch Überlastung, entzündliche Erkrankungen oder degenerative Veränderungen entstehen. Das Karpaltunnelsyndrom gehört zu den häufigsten orthopädischen Problemen der Hand. Dabei kommt es zu einer Einengung des Nervus medianus im Karpaltunnel des Handgelenks, was sich in Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Schmerzen äußert – vor allem in den ersten drei Fingern und besonders nachts.
Weitere häufige Handbeschwerden sind Sehnenscheidenentzündungen, die durch repetitive Bewegungen oder falsche Belastung entstehen, sowie Arthrose in den Finger- und Handgelenken, die oft mit Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen einhergeht. Der sogenannte „Schnellende Finger“ (Tendovaginitis stenosans) ist eine Verengung der Sehnenscheide, die dazu führt, dass ein Finger nach dem Beugen in einer eingerasteten Position bleibt und sich nur ruckartig wieder strecken lässt.
Konservative Therapieansätze in der Orthopädie
Die Behandlung von Handbeschwerden beginnt in der Regel mit konservativen Maßnahmen, um Schmerzen zu lindern und die Funktion der Hand zu erhalten.
- Ruhigstellung und Schonung: Bei akuten Beschwerden ist es oft sinnvoll, das betroffene Handgelenk oder die Finger durch eine Schiene oder Bandage ruhigzustellen, um eine weitere Reizung zu vermeiden.
- Entzündungshemmende Medikamente: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, Entzündungen zu reduzieren und Beschwerden zu lindern.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Gezielte Bewegungsübungen stärken die Muskulatur, verbessern die Durchblutung und erhalten die Beweglichkeit. Ergotherapeuten können zudem Alltagshilfen empfehlen, um die Belastung der Hände zu reduzieren.
- Injektionstherapie: Bei starken Schmerzen kann eine Kortisoninjektion in das betroffene Gelenk oder Gewebe kurzfristige Linderung verschaffen. Alternativ können Hyaluronsäure-Injektionen bei Arthrose eingesetzt werden, um die Gelenkfunktion zu verbessern.
Funktionelle Medizin und ganzheitliche Ansätze
Neben den klassischen orthopädischen Behandlungsmethoden gewinnt die funktionelle Medizin zunehmend an Bedeutung. Sie betrachtet den Körper als Ganzes und geht der Frage nach, welche systemischen Ursachen hinter den Beschwerden stecken könnten.
- Ernährungsmedizinische Ansätze: Eine entzündungshemmende Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und wenig Zucker kann chronische Entzündungen reduzieren.
- Nährstoffversorgung: Vitamin B6 und Magnesium sind wichtig für die Nervenfunktion und können unterstützend bei Karpaltunnelsyndrom eingesetzt werden.
- Manuelle Therapie: Osteopathische oder chiropraktische Behandlungen können Fehlstellungen korrigieren und die Beweglichkeit verbessern.
- Ergonomie-Beratung: Besonders für Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten, ist eine ergonomische Anpassung der Arbeitsumgebung entscheidend, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
Operative Eingriffe als letzte Option
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend wirken oder die Beschwerden zu weit fortgeschritten sind, kann ein operativer Eingriff notwendig sein.
- Karpaltunnelspaltung: Bei anhaltendem Karpaltunnelsyndrom wird der Karpaldach-Bandapparat durchtrennt, um den Nerv zu entlasten. Dies geschieht meist minimalinvasiv und hat eine hohe Erfolgsrate.
- Sehnenscheiden-Operation: Bei chronischen Sehnenscheidenentzündungen oder einem schnellenden Finger kann eine operative Erweiterung der Sehnenscheide helfen, die Beweglichkeit wiederherzustellen.
- Arthrose-Behandlungen: In schweren Fällen kann eine Operation notwendig sein, um Gelenke zu stabilisieren oder – bei fortgeschrittener Arthrose – durch eine Prothese zu ersetzen.
Nach einer Operation ist eine gezielte Rehabilitation mit Physiotherapie essentiell, um die Beweglichkeit wiederherzustellen und erneuten Beschwerden vorzubeugen.
Prävention und langfristige Handgesundheit
Damit Handbeschwerden gar nicht erst entstehen oder sich nicht verschlimmern, ist Prävention ein entscheidender Faktor.
- Bewegung und Dehnung: Regelmäßige Mobilisationsübungen und gezieltes Krafttraining für die Hände und Unterarme stärken die Muskulatur und fördern die Stabilität der Gelenke.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Wer viel am Computer arbeitet, sollte auf eine richtige Handhaltung achten, ergonomische Tastaturen und Mäuse nutzen und regelmäßig Pausen für Lockerungsübungen einlegen.
- Reduzierung von Risikofaktoren: Überlastungen durch monotone Bewegungsabläufe sollten vermieden werden, ebenso wie langanhaltende Fehlhaltungen oder übermäßige Krafteinwirkungen auf die Hände.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Wer bereits erste Anzeichen von Handbeschwerden bemerkt, sollte frühzeitig einen Orthopäden aufsuchen, um schwerwiegendere Schäden zu vermeiden.
Indem frühzeitig auf Warnsignale des Körpers geachtet wird, lassen sich viele Handbeschwerden mit konservativen Maßnahmen gut behandeln oder sogar verhindern. Eine Kombination aus orthopädischen, funktionellen und präventiven Ansätzen kann dazu beitragen, die Gesundheit und Beweglichkeit der Hände langfristig zu erhalten.